Ergebnisbericht zum Symposium “Mikromobilität besser gemacht” am 28.03.

Mar 31, 2023

Seit nunmehr fast vier Jahren sind E-Scooter auf deutschen Straßen zugelassen. Während sich Mikromobilität in vielen Städten bereits sehr erfolgreich in den Mobilitätsmix integriert hat, sehen sich Sharing-Anbieter leider oft auch mit Kritik konfrontiert. Denn nicht allerorts ist die Flächennutzung optimal gelöst – mit Folgen für das Stadtbild und die Verkehrssicherheit. Vor diesem Hintergrund lud Voi am 28. März 2023 zum Symposium “Mikromobilität besser gemacht” ein. Anhand von Erfahrungswerten von Voi und mithilfe von Fachbeiträgen der Agora Verkehrswende und des Deutschen Verkehrssicherheitsrats konnte aufgezeigt werden, wie Mobilität zum Besseren verändert werden kann.

Voi: E-Scooter sind im Mobilitätsmix angekommen

Um ein gemeinsames Verständnis über den Status quo der Mikromobilität zu schaffen, gab Stephan Bölte, Deutschlandchef von Voi, zunächst einen Einblick in die eigenen Nutzungszahlen. Im letzten Jahr konnten in Deutschland rund 25 Millionen Fahrten verzeichnet werden, mit immer weiter steigenden Nutzer:innenzahlen. Überwogen früher die Wochenend-Fahrten, werden E-Scooter heute vor allem für die täglichen Fahrten in Ergänzung zum ÖPNV genutzt. 70 Prozent aller Fahrten finden unter der Woche statt, der Großteil in der Rush-Hour. Kalte Jahreszeiten haben auf das Nutzungsgeschehen immer weniger einen Einfluss. “E-Scooter sind keine Spaß-Vehikel, sondern eine ernstzunehmende Ergänzung im deutschen Mobilitätsmix”, resümiert Bölte daher.


Mit seinen Mikromobilitätsdiensten möchte Voi zur Schaffung lebenswerterer Städte beitragen und den PKW-Verkehr in den Innenstädten reduzieren. Globale Umfragen zeigen heute schon: Rund 63 Prozent der Voi-Nutzer:innen haben ihre PKW-Fahrten reduziert oder ersetzt. Damit formulierte Bölte eine Grundaussage, die sich wie eine Linie durch die Veranstaltung ziehen sollte: Sichere und lebenswerte Städte gelingen erst durch eine Reduzierung des PKW-Verkehrs.

Agora Verkehrswende: Verkehrswende gelingt nicht über neue Antriebstechnologien

Wolfgang Aichinger, Projektleiter Städtische Mobilität bei Agora Verkehrswende, beleuchtete in seinem Vortrag das Thema Flächenkonflikte und widmete sich vor allem dem motorisierten Individualverkehr. “Privat-PKW stehen rund 23 Stunden am Tag und blockieren damit die Straßen”, meint er. Das verbrauche nicht nur immens Fläche, die auch für Dienste wie Logisitik oder Mikromobilität benötigt werde, sondern erzeuge zusätzliche Gefahren und Versorgungsprobleme. Rund 25 Prozent der Fußverkehrs- und 15 Prozent der Radverkehrsunfälle stünden im Zusammenhang mit dem Parken von Fahrzeugen. Er kommt zu dem Schluss, dass Parkraum heute unzureichend bewirtschaftet werde – und das obwohl viele Parkhäuser die meiste Zeit halb-leer stünden. “Es gibt Parkangebot. Es wird nur nicht genutzt”. Zum Abschluss warb Aichinger daher für einen besseren Mix aus politischen Push- und Pull-Maßnahmen wie die Begrenzung des Autoverkehrs (Push) und konsequente Förderung des ÖPNV (Pull).

Deutscher Verkehrssicherheitsrat: Unfallprävention braucht geteilte Verantwortung

Anschließend gab Johanna Vollrath einen Einblick in die Arbeit des Deutschen Verkehrssicherheitsrat. Sie verdeutlichte die Dringlichkeit von Unfallprävention bereits im Einstiegsstatement: “Im Durchschnitt kommt alle 23 Sekunden ein Mensch ums Leben”. Um dem Problem Einhalt zu gebieten, wurde der Safe-System-Ansatz “Vision Zero” entwickelt, dem sich auch Voi verschrieben hat. Die Vermeidung von Unfällen brauche mehr geteilte Verantwortung, meint Vollrath. “Die Verwaltung, der Gesetzgeber, Politik, Privatakteure und die Verkehrsteilnehmenden” – sie alle seien gefragt, sichere Infrastrukturen und sichere Fahrzeugtechnologien umzusetzen und für einen verantwortungsvollen Umgang zu sensibilisieren. Gerade vulnerable Verkehrteilnehmenden wie Fahrrad- und E-Scooter-Fahrende müssten besser geschützt werden.

Da Unfälle auf E-Scooter leider viel zu häufig auf das Fahren unter Alkoholeinfluss zurückzuführen sind, wird in der Verkehrserziehung des DVR besonderes Augenmerk auf den verantwortungsvollen Umgang mit Scootern gelegt. Die Kampagne “Roll ohne Risiko”, an der sich auch Voi beteiligt, richtet sich daher besonders an junge Menschen und ihre Bedürfnisse. Die neue Kampagne startet im Juni mit Botschaften an den Scootern, bei Social Media, in Bars und Clubs.

Sicherheit hat bei Voi höchste Priorität

Zum Abschluss führte Sonya Herrmann, Senior Public Policy Managerin DACH, in die vielfältigen Sicherheitsmaßnahmen von Voi ein.

  • Bewusstsein schaffen: Positive Verkehrserziehung spielt beim E-Sharing-Anbieter aus Schweden eine besonders große Rolle. Daher wird mit Rabatt-Belohnungen auf korrektes Verhalten wie das Tragen eines Helmes, langsame Fahrten und das Absolvieren der Verkehrsschule Voila reagiert. Fehlverhalten soll mit einem Alkohol-Reaktionstest und einem Sensor für Tandemfahrten unterbunden werden. In einigen Flotten sind außerdem Kameras verbaut, die überprüfen, ob der Scooter ordnungsgemäß auf Straßen – nicht aber auf Bürgersteigen – bewegt wird.

  • Sichere Fahrzeuge: Um den Scooter für alle Nutzer:innengruppen sicher zu gestalten, wurden in der Entwicklung verschiedene Mobilitätsinteressen und Proportionen berücksichtigt. So ist z.B. der Lenker angepasst worden, um die Steuerung und Bedienung von Blinker und Bremsen für kleinere Hände zu erleichtern. Mithilfe eines Dashboards am Kopf des Scooters ist auf einen Blick ersichtlich, ob verkehrskonform gefahren und geparkt wird.

  • Infrastruktur und Parken: “Geparkt werden soll nicht irgendwo, sondern in ausgewiesenen Abstellflächen”, meint Herrmann. Damit korrekt geparkt wird, arbeitet Voi mit verschiedenen technischen Maßnahmen wie einem Parkassistenten, verpflichtenden Parkfotos und einer In-App-Navigation.

“Wir sind mit dem Nutzungsverhalten auf einem guten Weg”, resümiert Herrmann und fügt an: “Damit sich Verkehrssicherheit und das Parkverhalten weiter verbessern, bedarf es der Zusammenarbeit zwischen Städten und Anbietern, sichere Infrastruktur und auch bessere Flächenangebote zum Parken”.

Die gezeigten Folien können hier eingesehen werden.


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